Gemeinsam beten und arbeiten

Die benediktinische Lebensweise ist weder ohne eine Gemeinschaft noch ohne ihre Balance von Gebet und Arbeit denkbar. Dieser Grundgedanke des heiligen Benedikt lässt sich treffend mit dem lateinischen „Ora et labora“ („Bete und arbeite“) zusammenfassen – auch wenn der Mönch diesen Satz nie formuliert hat. Diese Ausgewogenheit gibt uns den spirituellen Raum, Gott Tag für Tag in jedem Aspekt unseres Lebens zu suchen.

Kraft schöpfen im Gebet: In unserem Raderberger Kloster läuten die Glocken fünf Mal am Tag – und genauso oft unterbrechen wir unsere alltäglichen Arbeiten. Denn wir kommen mit dem Lauf der Sonne zusammen, um Gott zu preisen und für die Menschen in der Welt zu beten: mit den Laudes, in der Eucharistiefeier, beim Mittagsgebet, zur Vesper und zu der Vigil (Nachtgebet). 

Diese Stundenliturgie schenkt uns Kraft, Ruhe und Orientierung; ihre Psalmen, Lesungen und Gebete verbinden uns fortwährend mit Gott. Und mit allen christlichen Kirchen, die weltweit diese 1.500-jährige Tradition pflegen.


Die Freude der Arbeit

Wir wirken zum Beispiel im Garten, in der Küche oder im Rahmen unserer Bildungsangebote, aber verstehen dies nicht als Arbeit im herkömmlichen Sinn: Jede Aufgabe – ob groß oder klein, ob komplex oder einfach – ist für uns ein Dienst an Gott, an unsere Mitschwestern und an die Welt. Daher führen wir jeden Handgriff oder Projektschritt achtsam, respektvoll und sorgfältig aus. Weil jede Schwester dabei ihre individuellen Talente und Fähigkeiten einbringt, erstrahlt in jeder Tätigkeit auch die Vielfalt und Schönheit, die Gott uns Menschen schenkt. 

Fühlen Sie sich eingeladen – zum Beispiel bei dem Angebot MitLeben –, zu erfahren, wie sich bei uns Spiritualität und Arbeit auf besondere Weise vereinen.

Unser Tag


*Wir folgen dem Charisma von Mutter Mechthilde und verstehen uns als Anbeterinnen: Jede Schwester nimmt täglich für 30 Minuten vor dem Tabernakel, in dem sich das Allerheiligste befindet, Platz. So halten wir – stets in der Kirche präsent – den Himmel für alle Menschen offen.

Allein und gemeinsam vor Gott

Ein weiteres Spannungsfeld prägt unser Klosterleben: das des Allein- und das des Zusammenseins. 

So gibt es einerseits Zeiten, in denen wir Schwestern einzeln vor Gott treten. Um in der Stille des Herzens zu Ihm zu beten und über Sein Wort nachzudenken. Oder um unseren persönlichen Freizeitaktivitäten, von Sport bis Hobby, nachzugehen. Dabei erfüllt sich stets die Regel des Heiligen Benedikt: „Überall ist Gott gegenwärtig“ (RB 19,1). 

Und so gibt es andererseits Zeiten, in denen wir zusammen Gott begegnen – sei es während der Gebete, bei den Mahlzeiten oder in der Rekreation (unsere locker-gemütliche Austauschzeit von 18:30 – 19:00 Uhr). Auf diese Weise erfahren wir nicht nur die Freude des Gemeinschaftslebens, das Zusammenwachsen und gegenseitige Reifen, sondern: Wir werden jeden Tag ein wenig mehr zu den Menschen, die wir nach Gottes Sinn werden sollen.

Eine Ordnung mit Sinn

Auch unsere Rangordnung – die fern von gesellschaftlichen, wertenden Hierarchievorstellungen oder persönlichen Machtansprüchen ist – entspringt der Regel des heiligen Benedikt. Sie drückt zum einen aus, dass jede Schwester einen wichtigen, dem Wohl der Gemeinschaft dienenden, Platz innehat. Zum anderen zeigt sie das lebenspraktische Denken des Mönchs, weil strukturierte Abläufe das Zusammenleben vereinfachen, ob bei der Sitzordnung in der Kapelle oder bei der Reihenfolge des Kommunionsempfangs. 

Die Priorin, der Rat und die Gemeinschaft

Eine einzigartige Position nimmt die Priorin in der Rangordnung ein: Sie wird von der Klostergemeinschaft als Leiterin gewählt, die jedoch nicht im hierarchischen, sondern moderierenden Sinn handelt: Hörend begleitet sie die Abstimmungsprozesse – ob die zum Zusammenleben oder zur spirituellen Orientierung –, um eine Entscheidung zu treffen. Bei einigen Fragestellungen hat sie selbst kein Stimmrecht, dieses besitzen dagegen vollumfänglich ihr Rat, ein Kreis erfahrener Schwestern, sowie alle Mitglieder der Klostergemeinschaft. Die Perspektiven der letztgenannten sind im Sinne Benedikts bedeutungsvoll, da „der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist.“ (Regel Benedikts, Kapitel 3,3). 

Auf diese demokratische Weise begeben wir uns auf den Weg, die richtigen Entscheidungen zu treffen; gestärkt durch Zusammenhalt und erfüllt vom Geiste Gottes. 

Das Charisma von Mutter Mechtilde

Wir leben nicht nur nach den Regeln Benedikts von Nursia, sondern vertiefen unseren Glauben auch durch das Charisma von Mutter Mechtilde. Die Nonne gründete im 17. Jahrhundert, inmitten der Wirren des Dreißigjährigen Krieges und den damit verbundenen Religionskonflikte, den Ordenszweig der „Benediktinerinnen vom Allerheiligsten Sakrament“. Für sie war die tiefe Verehrung der Eucharistie (die sich in der Hostie verkörpert) der Weg, um zum einen Erbarmen für das Land und den König zu erbitten und zum anderen Gott in der Welt sichtbar zu machen. 

Sie etablierte dies als Bestandteil des benediktinischen Lebens, auch unserem heutigen in Raderberg: Wir sehen uns als Anbeterinnen; unsere tiefe Hingabe an das Brot Gottes ist der Sinn unseres klösterlichen Daseins. Darum verweilt in unserer Kirche stets eine Schwester vor dem ausgesetzten Allerheiligsten oder dem Tabernakel (außer nachts). 

Für Menschen da sein

Unser Kloster ist kein Rückzugsort für seine Mitglieder und das Leben darin kein Selbstzweck: Wir verstehen unsere Berufung als Dienst an der Welt. Denn in allem was wir tun – ob im Gebet und bei der Anbetung, bei der Arbeit oder wenn wir Sie als unseren Gast willkommen heißen – wollen wir mit dem Licht Gottes alles Irdische ein wenig heller machen. 

So verbinden wir uns mit allen Menschen, die Orientierung, Stille oder Inspirationen suchen – oder Mut, Trost und Kraft brauchen. Und legen im Dienste aller das Zeugnis der Nachfolge Christi ab.