Geschichte
Unser neugotisches Kloster wurde im Jahr 1894 gebaut, aber seine Wurzeln reichen bis ins frühe 17. Jahrhundert zurück – und führen zu einer mutigen Frau: Mechtilde de Bar. Inmitten der Wirren von Reformationen und Kriegen gründete sie die „Gemeinschaft der Benediktinerinnen vom Heiligsten Sakrament“. Sie verfolgte ein besonderes Anliegen, das wir bis heute Stunde für Stunde in unserer Kapelle mit Leben füllen.
Im 16. Jahrhundert war Europa von religiösen und politischen Erschütterungen gezeichnet. Auch Frankreich blieb nicht verschont: Acht Bürgerkriege zwischen Katholiken und Protestanten (Hugenotten) zerrissen das Land, Reformation und Gegenreformation waren der Spielball rivalisierender Adelsfamilien. Klöster wurden geplündert, Gemeinschaften zerschlagen, Protestanten verfolgt oder ins Exil getrieben. Diesen Umbrüchen schlossen sich die Wirren des Dreißigjährigen Krieges an.
Starkes, theologisches Bekenntnis
Inmitten all dieser Wirren fand Catherine de Bar – später nahm sie den Namen Mechtilde an – Zuflucht bei den Benediktinerinnen von Rambervillers. Sie entdeckte die benediktinische Lebensweise als ihre geistliche Heimat, legte ihr Gelübde ab und gründete einige Jahre später ihre eigene Gemeinschaft: die „Benediktinerinnen vom Heiligsten Sakrament“. Ihr geistliches Anliegen war klar und konzentriert: Im Mittelpunkt des klösterlichen Lebens stand die Ewige eucharistische Anbetung – dabei wird die Hostie, eingefasst in eine Monstranz, auf den Altar gestellt und still verehrt.
Mit diesem Charisma antwortete sie nicht nur auf die religiösen Eskalationen, sondern legte ein starkes, theologisches Bekenntnis ab. Denn die Anhänger der Reformation verneinten die Präsenz Christi in der Hostie, Mechtilde aber verankerte mit ihrem Lebenswerk die katholische Überzeugung, dass Gott im Sakrament gegenwärtig ist.
Mutmachende Begleitung
Wie war diese mutige Klostergründerin als Priorin? Mutter Mechtilde setzte sich in ihren neun Klöstern in Frankreich und Polen unermüdlich und mit tiefer Menschenkenntnis für ihre Mitschwestern ein. Überliefert ist, dass sie während der Zeit der Pest, die auch in ihren Klöstern einzog, die Kranken mit einer scheinbar unversiegbaren Sanftmut pflegte. Bis zu deren Tod, der wegen der damaligen Hygienebedingungen unausweichlich war. Spirituell wurde die kluge Ordensfrau – so beschreibt es die Webseite des Kölner Erzbistums – von der „großen Ehrfurcht vor seiner Majestät“ getragen, die sie mit dem „vertrauten Umgang mit Jesus, der im Tabernakel gegenwärtig war“ ergänzte.
Ihre Kraft drückte sich auch in ihrem Charisma der „Geistlichen Begleitung“ aus: Sie war überzeugt, dass jeder Mensch – geführt vom Heiligen Geist – seinen eigenen Weg zu Christus geht. Daher lud sie Schwestern und andere Ordensleute, Prediger und Laien dazu ein, diesen Prozess zu erkennen – und begleitete diesen mutmachend.
Ihre Vision des Ewigen Eucharistischen Gebetes verbreitete sich nicht nur rasch in Frankreich und Polen, sondern auch in Italien, in den Niederlanden, in England, Uganda und Kenia. Wann ist ihr Ordenszweig nach Deutschland – und auch zu uns, nach Köln-Raderberg – gekommen?
Das Aus aller Kölner Benediktinerklöster
Die Geschichte der Klöster, die den Regeln des Heiligen Benedikt von Nursia folgte, reicht in Köln bis in das frühe Mittelalter zurück: Im Jahr 964 wurde die erste Benediktinerabtei in der romanischen Kirche St. Pantaleon gegründet. Schon kurze Zeit später eröffneten in St. Maria im Kapitol und St. Agatha zwei Nonnenklöster. Als acht Jahrhunderte später, im Jahr 1803, das Heilige Römische Reich im Zuge der napoleonischen Kriege Gebiete an Frankreich abtreten musste, machte der Reichsdeputationshauptschluss dem Klosterleben in Köln ein Ende: Viele kirchliche Besitztümer mussten linksrheinisch in weltliche Hände übergeben und alle benediktinischen Gemeinschaften – zu dem Zeitpunkt waren es sieben – aufgelöst werden. Besonders die Nonnen gerieten in Not, denn für Frauenorden gab es keine Alternative zu ihrer Lebensform.
… und ein neuer Klosterbau in Raderberg
Im Jahr 1890 erweckte eine Nonnengemeinschaft die über 900 Jahre alte benediktinische Tradition erneut zum Leben und verband sie – als erster Orden in Deutschland – mit dem eucharistischen Zweig Mechthildes: Josefine Karoline von Fürstenberg-Stammheim kehrte mit 13 Schwestern aus dem holländischen Exil zurück nach Köln mit dem Bestreben, sowohl die benediktinische Stabilität als auch eucharistische Tiefe zu vereinen.
Zunächst ließen die Frauen ein Mietshaus in der Innenstadt provisorisch zu einem Konvent umgestalten – in der Domstraße, nur 300 Meter von der gerade vollendeten Kathedrale entfernt. Weil es schon bald zu klein wurde, plante die Gemeinschaft ein neues, finanziert aus dem Erbe der Priorin. In einer ihrer ersten Chroniken hielten die Nonnen freudig fest: „Gott Lob und Dank ist nun endlich der Bauplatz gefunden, der Seiner Eminenz, dem Hochwürdigsten Kardinal, gefällt und seinem Wunsch entspricht, dass wir weit vor der Stadt bauen möchten …“ Seitdem hat unser Kloster eine – seit 1985 auch denkmalgeschützte – Heimat im Veedel Raderbergs. Aber die Zeit hat uns in die Innenstadt zurückgebracht: Der Bus, der direkt vor unserem Kloster hält, bringt uns in 20 Minuten zu Dom und Hauptbahnhof und die Nachbarn ringsum blicken von ihren Balkonen auf unsere Gemüsefelder und Obstplantagen.
Der Grundstein für unser heutiges Zuhause, das Herz-Jesu-Kloster, wurde am 7. Juni 1894 gelegt; am 28. August 1895 wurde es mit einer Gemeinschaft eingeweiht, deren Größe sich mit 26 Schwestern bereits verdoppelt hatte. Ein Vierteljahrhundert lebten bis zu 70 Benediktinerinnen im Ordenshaus. Heute sind wir etwa 20 Frauen, die ihr Leben der Stille, der Kontemplation und dem Dienst verschrieben haben – seit 2022 unter Führung von Sr. Veronica Krienen OSB. Unsere tiefe Verbundenheit mit dem Herzstück der Vision Mutter Mechthildes drücken wir aus, indem wir zum einen von der Frühe bis zum Abend die Anbetung des Allerheiligsten praktizieren, zum anderen, indem eine Schwester während des Mittagessens aus ihren Werken vorliest.
„Die Seele muss sich in der Gegenwart
des Herrn verlieren, wie ein Tropfen im Ozean.“
Mutter Mechthilde
Ein bedeutender Schritt unseres Ordenszweigs war die Gründung eines neuen Klosters in Düsseldorf-Angermund: Im September 2022 zogen sechs Schwestern in das ehemalige Haus der Dominikanerinnen und führen es heute als Katharinenkloster weiter.
So erzählt die Geschichte unserer „Gemeinschaft der Benediktinerinnen vom Heiligsten Sakrament“ gleichermaßen von Traditionen und Wandel, von Vergangenheit und Zukunft, von Vertreibung und Aufbau. Wir laden Sie ein, Teil zu werden – durch Begegnung, Gebet oder einen Moment der Stille in unserem Kloster.
