Oblate werden

Nicht nur hinter Klostermauern lässt sich die benediktinische Spiritualität verwirklichen: Zu unserem Orden gehören Oblatinnen und Oblaten, die inmitten ihrer Familien oder als Alleinstehende leben, ihr Handeln aber an der Benediktusregel ausrichten. Als Gemeinschaft teilen sie ihre Erfahrungen, lernen voneinander und arbeiten auch mit uns an gemeinsamen Projekten. 

Der Begriff „Oblate“ (lateinisch: „oblatus“) wird bereits in der mittelalterlichen Benediktusregel erwähnt, jedoch im Sinne von „dargebracht“ oder „geopfert“. Denn er wurde auf die Kinder angewandt, die in den Klöstern in Obhut gegeben wurden. Heute sind damit die Mitglieder unserer spirituellen Gemeinschaft gemeint.

Mit unserem Kloster verbunden

Zu unserer Oblatengemeinschaft gehören 26 Mitglieder, die 48 bis 90 Jahre alt sind. Ihr Weg der Gottsuche, das ist eine Besonderheit ihrer Glaubensform, geschieht in Verbundenheit mit unserem Kloster. Auch wenn die Männer und Frauen aus unterschiedlichen Teilen Deutschlands kommen, oder über die Landesgrenzen hinaus.

Wie wird man Oblate?

Jeder Mensch hat seine Geschichte mit Gott. Entscheidet er sich, Oblate zu werden, hat er häufig zuvor die benediktinische Spiritualität kennengelernt, sei es durch Anbetung, Liturgie, die allgegenwärtige Gottsuche oder die mönchische Weise, aus der Heiligen Schrift zu schöpfen. Der Weg der Oblation – dem Versprechen, mit dem sich die Verbundenheit zu unserem Kloster ausdrückt – beginnt mit einem Vorbereitungsjahr. In diesem baut der Anwärter eine individuelle Beziehung zu uns auf. Zum einen, indem er an vier Treffen der Oblatengemeinschaft teilnimmt, zum anderen, indem er in vier bis sechs Gesprächseinheiten von einer Schwester in die benediktinische Lebensweise eingeführt wird. 

Nach 12 Monaten findet – in einer schlichten, ritualisierten Form während der Eucharistiefeier – die Aufnahme in unserer Klostergemeinschaft statt. Dabei wird dem Oblaten als Zeichen der Verbundenheit das kirchliche Stundenbuch (zur Feier des Stundengebetes) überreicht. Dabei verspricht er: 

Im Namen unseres Herrn Jesus Christus verspreche ich vor Gott und seinen Heiligen, in Gegenwart der Priorin und der Schwestern dieser Gemeinschaft, im Geiste des heiligen Benedikt nach der Weisung des Evangeliums, als Oblate bzw. Oblatin dieses Klosters zu leben.

Benediktinische Spiritualität im Alltag

Oblaten leben inmitten der Gesellschaft, ob als Familienväter oder Single, Ehefrau oder Witwer, Berufstätige oder Rentner. So verschieden diese Lebenskontexte sind, so verschieden strahlt ihre Berufung sowohl in ihren Alltag als auch in unsere Ordensgemeinschaft hinein. 

 In Anlehnung an den Benediktinermönch Athanasius Polag* können sich die Gott zugewandten, von Maß und Richtung erfüllten Handlungen darin zeigen, dass Oblaten … 

  • … in der Heiligen Schrift lesen,
  • Lobpreis, Dank und Fürbitte zum Ausdruck bringen, 
  • am Gottesdienst mitwirken,
  • die eigene Zeit und den eigenen Raum ordnen,
  • Zeiten der Stille einhalten,
  • sich in allem um das rechte Maß bemühen,
  • sich für andere Menschen einsetzen,
  • das Leben vor Gott bedenken und zur Umkehr bereit sind, 
  • sich um eine vertiefte Kenntnis des benediktinischen Lebens bemühen
  • das Wirken der Schwestern unterstützen und die Beziehung zur Gemeinschaft pflegen.

 Dennoch sind diese Handlungen, die benediktinische Spiritualität im Alltag zu integrieren, nur Beispiele. Denn jede Lebenswirklichkeit ist anders und jeder Ruf Gottes einzigartig – so dass sich unendliche Möglichkeiten eröffnen, als Oblate Gott zu suchen.  

Kontakt

Sr. Johanna Domek – Ansprechpartnerin unserer Oblaten und Autorin für spirituelle Themen und Lebensfragen – freut sich auf Ihre Kontaktaufnahme, ob per Mail oder unter 0221 937076-0.

*Quelle: Die Benediktineroblaten des Priorats Huysburg (2009), in: Claudius Bals; Basilius Ullmann: Aufbruch mit Benedikt. Oblaten – eine christliche Lebensform, St. Ottilien, S. 238f